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INFORMATIONEN ZUM OLIVENÖLSKANDAL (April 2008)


Wiederholt wurden wir in den letzten Jahren Zeugen von Berichten über Olivenöl-Fälschungen in Italien. Das Thema wurde erneut zu Beginn des Monats April von italienischen Zeitungen und Zeitschriften aufgegriffen und fand nun auch Eingang in das GÖTTINGER TAGEBLATT (22.04.2008).

Die neusten kriminellen Fälscher-Aktivitäten

Die Zeitschrift L'ESPRESSO berichtete in ihrer Ausgabe vom 10.04.2008 über umfangreiche Produkt-Fälschungen von Olivenöl in Apulien. Danach sind in den Jahren 2006 und 2007 rund 3,3 Mio. Einliter-Flaschen als "Italienisches Olivenöl", "Biologisches Olivenöl" oder als "Olivenöl Extra Vergine" vertrieben worden, obwohl sie "mit Flüssigkeit einfacher Qualität" gefüllt waren. Diese einfachen Öle stammten aus Spanien, Griechenland und Tunesien. Die Flaschen wurden u.a. mit Produktetiketten als Nischenprodukte der "Frantoi Oleari Umbri" oder des bekannten landwirtschaftlichen Unternehmens "Buonamici" aus Fiesole (Florenz) versehen. Das auf diese Weise gepanschte Öl landete in den Regalen von Supermarktketten Italiens und des Auslandes.

Nach den neuen Informationen der Zeitung LA REPUBBLICA (21.04.08, 22.04.08) wurde jüngst ein krimineller Ring aufgedeckt, der die Fälschungen des Olivenöls noch radikaler betrieb. Die aus 39 Mitgliedern bestehende kriminelle Vereinigung gründete erst Scheinfirmen und entwickelten aus dem Nichts Vertrauen erweckende Marken wie "Il Nobile", "Antiche Tradizioni", "Spremuta d'olio" und "Il Frantoio". Dieser Fälscherring benutzte als Grundlage des gefälschten Olivenöls aus den USA importiertes genetisch verändertes Sojaöl zu 1 € pro Liter. Hinzugefügt wurden Chlorophyll und Beta-Carotin, die als Farbstoffe verwandt wurden und dem gefälschten Olivenöl eine warme goldgelbe Farbe gaben. Das auf diese Weise als Olivenöl ausgewiesene Produkt wurde zu 4 € pro Liter in den Handel gebracht.

Was steckt dahinter?

  1. 2006 betrug die Olivenöl-Produktion Italiens 630.000t, das sind etwa 29,4 % der EU-Produktion. Der Olivenölkonsum belief sich 2006 in Italien auf 837.000t. Wenn man zusätzlich bedenkt, dass Italien im selben Zeitraum 288.000t Olivenöl exportierte, ist Italien gezwungen, umfassend Olivenöl zu importieren.
  2. 2002/03 machte der Marktanteil des italienischen Olivenöls in Deutschland 88% aus. Für viele Konsumenten bürgt offenbar allein schon die Herkunft des Öls aus Italien für Qualität.
  3. Die Produktion von hochwertigem Olivenöl Extra Vergine in Italien ist kostenintensiv. Die Kosten betragen mittlerweile weit mehr als 10 € pro Liter und ziehen daher Preise für den Endverbraucher von mehr als 18 € pro Liter nach sich.
  4. Die Präferenzen der italienischen und deutschen Konsumenten beinhalten hingegen, dass sie hochwertiges Olivenöl aus Italien zu einem äußerst günstigen, aber unrealistischen Preis bevorzugen und zudem die Qualität und die Kosten der Produktion eines guten Olivenöls nicht beurteilen können.

Fehlende effektive Kontrollen der Olivenöl-Produktion in Italien, die Fortschritte der Lebensmittelchemie bei Produktfälschungen und die dargelegten objektiven und subjektiven Marktbedingungen bilden einen Anreiz zu äußerst abenteuerlichen Produkt-Fälschungen:

Minderwertiges, gefälschtes und importiertes Olivenöl / Öl wird zum Schnäppchenpreis als "italienisches Olivenöl Extra Vergine" in Italien und in Deutschland verkauft. Damit lässt sich offenbar sehr gut verdienen.

Die Öl-Panscher haben dabei kein schlechtes Gewissen. Wie sagte doch einer der Verhafteten:

"Ma non è grave, mica spacciamo droga."
"
Nicht so schlimm, wir vertreiben ja keine Drogen."

 

Quellen:

L'Espresso 10.04.2008;

La Repubblica 21.04.2008; La Repubblica Bari 22.04.2008

Dossier Olivenöl MERUM Nr.05 2007*

 

*Dieses Dossier über das Olivenöl sei hier ausdrücklich empfohlen. Von Andreas März verfasst, bietet es äußerst wertvolle Informationen über die Produktion des Olivenöls, aber auch über die Marktverwerfungen und Produktfälschungen in diesem Marktsegment.

 

© La Vite- Armin Hebel


 

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